Archiv 7. Januar 2005

Grüne gegen Verbot heimlicher Vaterschaftstests

Oh Mann, die Diskussion enthält so viel Moppelkotze, da weiss ich garnicht wo ich anfangen soll zu wettern.

Nehmen wir einfach mal das Szenario um das es geht: eine Frau. Ein Mann. Ein Kind. Mann glaubt nicht, das er der Vater ist - es liegt also eine Misstrauenssituation vor. Der Mann lässt einen heimlichen Vaterschaftstest machen - ohne Wissen der Frau und vermutlich (da das Kind ja sicherlich noch ein Baby ist) ohne Einwilligung des Kindes. In meinen Augen ein klarer Vertrauensbruch. Im Endeffekt ist die Beziehung schon kaputt - durch das Misstrauen.

Warum wird jetzt gegen die strafbarkeit des heimlichen Vaterschaftstest gewettert? Weil die alternative zum heimlichen Vaterschaftstest das Gerichtsverfahren wäre und das die Familie zerstören würde. Bitte was? Also erstmal ist eine Alternative auch der freiwillige und gemeinschaftliche Test. Wenn aber tatsächlich der gemeinschaftliche Test nicht gemacht werden kann, dann ist die Familie schon kaputt - das Gericht macht dann nur noch die Lage offensichtlich, mehr nicht.

Für mich ist der heimliche Vaterschaftstest nur ein Ausdruck der Paranoia und der Minderwertigkeitskomplexe der Männer. Und wieder einmal eine praktische Generalverdächtigung der ach so bösen Frauen: die huren ja doch alle nur rum. Passt gut zu den Meisner-Sprüchen, denn danach sind Frauen ja alles nur Mörderinnen.

Wenn Frauen wirklich so mies sind - warum wollen dann so viele Männer mit denen zusammenleben?

Heimliches Hintergehen, Nachspionieren und Verdächtigungen haben noch keine Beziehung gerettet. Von daher gibt es keinen Grund sie besonders zu fördern - sie sind defakto ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht und von daher wäre ein unter Strafe stellen völlig korrekt.

Aber vermutlich gäbe es dann einen Generalstreik der Genlabore, weil denen eine einträchtige Einnahmequelle wegbrechen würde ...

Bei tagesschau.de - Die Nachrichten der ARD gibts den Originalartikel.

Heftige Kritik an Meisners Vergleich

Keine Kirche!

Kardinal Meisner vergleicht Abtreibung mit den Verbrechen von Hitler und Stalin. 1 Und wer ist angepisst? Der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Sorry, aber ich finde Meisners Vergleich aus einem ganz anderen Grund absolut unverschämt: er stellt damit die Frauen auf eine Stufe mit Diktatoren und Massenmördern. Und das wirkt deutlich schwerer als die Verletzung des jüdischen Leidensmonopols ... Von daher stellt sich Paul Spiegels Frage - Was soll man von einer Jugend erwarten, wenn ein katholischer Würdenträger auf diese Weise und ungestraft den millionenfachen Mord an Juden relativieren kann - für mich ganz anders: was kann man von einer Kirche erwarten, die potentiell 50% ihrer Mitglieder unter Generalverdacht des Massenmordes stellt? Aber Tante Katholika war ja schon immer eher beschränkt in ihrem Weltbild.

Genauso bedenklich finde ich aber die Haltung von Paul Spiegel - macht er sich keine Gedanken darüber, das Kardinal Meissner mit seinem Ausspruch Frauen heftigst beleidigt hat? Ist ihm dieser Aspekt der ganzen Geschichte weniger wichtig als darauf hinzuweisen, das ja niemand ihr Leid im zweiten Weltkrieg mit irgendwas anderem vergleicht, weil ihr Leid ja einmalig ist? In diesem Punkt ist das Weltbild des Zentralrats der Juden leider auch sehr eingeschränkt. Was mich ganz besonders wurmt, weil das dem leider immer noch viel zu stark in Deutschland vertretenem rechten Nazipack immer wieder Argumentationsfutter liefert. 2 Und mit Hitler und Stalin verglichen zu werden hat keine Frau verdient - auch wenn Abtreibung nicht in das Weltbild dieser Männerorganisationen passt.

Ganz zu schweigen natürlich von der Tatsache das ich der katholischen Kirche wegen ihrer rein patriarchalischen und völlig weltfremden Struktur sowieso jedes Recht auf Mitsprache in Themen des allgemeinen Lebens verweigere.

[1] Wann werden wir eigentlich lernen die geschichtsfälschende Totalitarismusidee - nach der Hitler und Stalin und diverse andere Diktatoren in einen Topf geworfen werden - zu überwinden? Hitler und Stalin haben in etwa so viel gemeinsam wie Pest und Cholera - beide sind tödlich, beide sind krank, aber das wars auch schon. Mir rollen sich immer die Fussnägel auf wenn ich jemand angeblich gebildeten so einen Unfug reden höre ...

[2] Es treibt auch sehr absurde Stilblüten, wie z.B. die Verweigerung der Anerkennung anderer Opfer des Nazi-Regimes, wie Sinti, Roma oder kommunistische Widerständler (die übrigens auch unter Stalin nichts zu lachen hatten). Was dann in Kombination eines Gedenkmals der Opfer des Nationalsozialismus insgesamt eigentlich nur noch ein äusserst peinliches Bild hinterlässt.

Bei WDR.de gibts den Originalartikel.

Optional Static Typing -- Stop the Flames!

Na also, geht doch. In seinem dritten Artikel über optionale statische Typdeklarationen für Python nimmt Guido van Rossum die ganzen Kommentare auf und bringt einen meiner Meinung nach kompakten und sinnvollen Vorschlag. Interfaces sind eine sinnvolle Einrichtung für stringenteres Duck-Typing - natürlich optional, also nur dort wo man es braucht. Und automatische Typadaption ist eine gute Idee - wird auch Zeit, das der PEP 246 in Python integriert wird.

Das wichtigste aber ist und bleibt: es wird optional. Wer es nicht braucht, lässt es weg.

Hier gibts den Originalartikel.

Probleme mit Firefox und Thunderbird auf OS X 10.2

Ich hab da ja letztens ( P2984) drüber geschrieben, das ich Probleme mit Firefox auf OS X habe. Mitlerweile hat sich herausgestellt woran es liegt. Es ist der Codetek Virtual Desktop Manager. Sobald der aktiv ist (ich hab ständig haufenweise Fenster offen und find sonst in dem Gewuse nix wieder - und nein, Expose wäre da auch keine wirkliche Hilfe), haben sowohl Firefox als auch Thunderbird diverse Fehlverhalten:

  • nach dem Start ist das Menü leer. Man muss erst in den Hintergrund und dann wieder auf das Anwendungsfenster klicken, damit das Menü stimmt
  • der Keyboardfokus stimmt nicht immer. Dann muss man das gleiche wie beim fehlenden Menü machen.
  • nach dem Wechseln des Desktops (oder auch bei normalem Ausblenden und wieder Einblenden der Anwendung) ist das Fenster komplett leer - erst eine Grössenänderung bringt den Inhalt zurück.

Wie gesagt, das tritt nur mit dem Desktopmanager auf. Leider kann ich Expose nicht benutzen, da ich kein 10.3 habe. Ausserdem würde es mein Problem nicht lösen: ich brauche viele parallele Arbeitsbereiche in denen ich die ganzen Fenster für die jeweilige Aufgabe offen habe. Expose würde das nur sehr unzureichend erledigen.

Mift.

verwirrtes Gesicht

QEMU CPU Emulator

Hey, den kannte ich noch nicht: ein Emulator für verschiedene CPUs mit Just-in-Time-Compilation und Support für einen ganzen Mix von Target und Host CPU. Zum Beispiel einen Intel-Chip auf PPC emulieren. Oder umgekehrt einen PPC auf Intel. Oder ARM auf PPC. Und Sparc als Target ist auch schon angefangen.

Besonders interessant für Linux-User: es kann User-Emulation oder System-Emulation. Letztere macht das was Virtual PC macht - einen virtuellen Rechner darstellen. Erstere bietet einfach nur die Möglichkeit Binaries für eine andere CPU auf dem eigenen Rechner laufen zu lassen, auch wenn man eine andere CPU hat. Zum Beispiel Intel-Binaries auf einem Linux PPC starten - ohne grosse Systememulation.

Aufgrund der Just-in-Time-Compilation sollte das ganze auch deutlich schneller als Bochs sein. Für OS X gibts einen grafischen Launcher der auch gleich die Installation von qemu erledigt. Leider erst ab OS X 10.3. Hier gibts den Originalartikel.

RBL Prüfungsseiten für viele RBLs auf einmal

Wer wie ich keine Zeit hat hinter den tausenden von RBLs (Liste über mögliche oder angebliche Spam-Relays) hinterher zu rennen um zu prüfen ob wieder jemand einen eigenen Server fälschlicherweise dort gelistet hat, bieten diese zwei Links gute Dienste: sie prüfen einen grossen Satz von RBLs auf einen Schlag. Der erste Link ist der schnellere:

The Implementation of Functional Programming Languages

Klasse. Ein Klassiker der Informatikliteratur (ok, ein moderner Klassiker ) ist jetzt online lesbar. Das Buch ist deshalb interessant, weil es viele Aspekte der Realisierung einer für Haskell oder Miranda geeigneten Systemumgebung erläutert.

Es ist allerdings leider nur als Scans im JPG-Format online, also etwas mühsam zu benutzen - vor allem Suchen klappt natürlich nicht. Aber immerhin ist das Inhaltsverzeichnis mittels Imagemap verlinkt.

Hier gibts den Originalartikel.