Archiv März 2006

Bildungsziel: Mythos statt Wissen!

Keine Kirche!

Die Prolethiker in Düsseldorf haben jetzt endgültig den Verstand verloren, denn sie propagieren einen Gottesbezug ins Bildungsgesetz:

Ein Gesetzesentwurf der nordrhein-westfälischen Landesregierung beabsichtigt die folgende Neuformulierung für den §2 des Schulgesetzes: "Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung."

Als Atheist fühle ich mich durch solchen Unfug persönlich angegriffen und beleidigt. Wir haben in Deutschland eine Trennung von Staat und Religion - und so soll es auch bleiben. Die Forderung nach der Ehrfurcht vor einer abergläubischen Einrichtung ist ein Absurdum und eine Beleidigung für jeden Atheisten und hat schlicht und einfach an der Stelle nichts verloren.

IBM offers bounty for Exchange customers - klare Ansage (wobei Notes vs. Exchange für mich gleichbedeutend mit "den Teufel mit dem Beelzebub austreiben" ist)

python-constraint - hatte ich den schon? Egal, es gibt einen neuen Link und im Fernsehen wird eh auch alles wiederholt. Constraint-Solver in Python. Kann durchaus mal interessant für Projekte werden.

Geogen - witzige Sache, auch wenn es bei meinem Allerweltsnamen recht öde ist (ok, immerhin Platz 13 der Rangliste!). Bei den Namen meiner Grosseltern ist es aber schon einfacher ...

Merquery, Text Indexing and Search with a Focus - eine Volltextsuchmaschine in Python speziell für RAD-Frameworks? Mal gucken was da rauskommt.

The Spider of Doom - autsch. Zerstörerisches GET und "Sicherheit" durch JavaScript, Cookies und Redirects. Selbst schuld, kann man da nur sagen.

Backfire für Transparency International

Als Antwort auf die Forderungen von Transparency International bescheinigt Udo Vetter vom Law Blog dem Anwalt des Vereins ein gestörtes Verhältnis zur Presse- und Meinungsfreiheit. Bei sowas würde man sich fast nen RSS-Feed für eine möglicherweise stattfindende Gerichtsverhandlung wünschen

Münte schickt Vereinbarung zum Kündigungsschutz zurück in den Koalitionsausschuss - meldet sich sich da sein rudimentäres Gewissen, oder ist doch bloss alles wieder Show?

Ullrich verschiebt Saisondebüt - datt wird nix mehr. Seine letzte Chance auf den Toursieg wird er wohl auch nicht wahrnehmen können.

Microsoft-Drohung mit Patentklagen in den USA Warnsignal für Europa - aber ob die Bürokraten in Brüssel das Warnsignal auch kapieren? Ich hab da ja meine Zweifel.

Seed: Prime Numbers Get Hitched - über die Verteilung der Primzahlen im Universum der Zahlen. Und warum die Antwort eben doch 42 ist.

IQ-Forscher nennt Deutsche klügste Europäer - sorry, aber wenn wir so schlau sind, warum haben wir dann das Merkel als Kanzlerin?

SPD-Fraktion lehnt neues Urheberrecht ab - die kippen dann doch sowieso wieder um. Oder werden einfach ignoriert, wie schon bei den Software-Patenten.

Nasa-Sonde macht Superfoto vom Mars - neues Bildmaterial im Anmarsch!

ajaxWrite - jeder linkts, also ich auch. Word-kompatibel, Web-basiert, Ajax drin. Genug Buzzwords? Wird bestimmt von Google oder Yahoo gekauft ...

The Mac OS MUD Zone: Clients - lauter MUD clients für OS X.

transparency international mag keine kritik und schickt den anwalt

transparency international mag keine kritik und schickt den anwalt - eine Mitarbeiterin wurde entlassen, die Umstände wirken etwas rüpelhaft von Seiten der Firma. Eine Bloggerin berichtet darüber. Und der Anwalt von Transparency International zieht die grosse Keule. Nunja, ix hat eine passende Zusammenstellung von weiteren Fakten über diese NGO. Jeder lese selber und beurteile selber was davon zu halten ist.

Nur eines hätte TI bedenken sollen: wenn das Hauptziel ist, sich selber und die eigenen Mitglieder als Vorreiter gegen Korruption darzustellen (wieso eigentlich nur darstellen ? Wieso nicht sein ?), dann sollte man sich nicht gleichzeitig solche Patzer leisten. Denn sonst stellt man sich über kurz oder lang als was ganz anderes dar ...

Virtueller Big Brother

Ich geb dem Ralle vom Netzbuch da Recht - Riya und ähnliches sind definitiv sehr seltsame Ideen und die Reaktion darauf, respektive die Begeisterung dafür, zeugt von einem sehr unreflektierten Umgang der Benutzer mit diesen Systemen. Überhaupt finde ich es verwunderlich, wie viel Informationen die Benutzer freiwillig über sich selber in die diversen angeblich so sozialen Softwareprodukte packen - und damit sich selbst und ihre Umgebung den Werbepartnern und potentiell allen anderen mit Zugriff auf die Daten (Strafverfolgungsbehörden, Einbrecher, Datendiebe) geben. Immer mehr vernetzen und immer weniger Privatsphäre, das scheint bei einigen das Motto von Web 2.0 zu sein.

Bundesjustizministerin ohne Durchblick

Diese Bundes-Dummschwätzerin geht mir mittlerweile einfach nur noch auf die Nerven. Ist es mittlerweile Voraussetzung für einen Ministerposten komplett verblödet zu sein und nun wirklich garnichts zu kapieren? Die Auswirkungen auf die Privatpersonen sind nicht die Klagen der Staatsanwaltschaft - sondern die mit der Anzeige verbundene Erhebung der Personendaten durch die Staatsanwaltschaft (was sie ja auch dann noch tun muss, wenn sie nicht selber Klage erhebt). Nur darauf haben es die Massenkläger abgesehen - damit sie danach dann auf dem Privatweg klagen können. Wo die Privatpersonen dann alleingelassen werden, weil Urheberrechtsfragen von vielen Rechtsschutzversicherungen nicht abgedeckt sind.

Ganz grosses Kino, wie da in Berlin mal wieder das Interesse der Bürger an eine marode und geldgeile Industrie und ihre Anwaltsapparatschniks verschachert wird ...

zorniges Gesicht

Empörung über drohendes Todesurteil gegen Ex-Muslim

Die Empörung der Politiker über das drohende Todesurteil gegen einen Ex-Muslim ist schon ein bischen absurd - was habt ihr eigentlich geglaubt, was in Afghanistan für eine Rechtsform entstehen wird? Jahrzehntelang rumgepfuscht, dann kaputtgebombt und jetzt seit ihr empört über den Wahnsinn, den sie dort abziehen?

Nicht das ich das Urteil verteidigen wollte - jegliches religiös motivierte Urteil ist für mich eine Unverschämtheit, denn Religion hat im Staat nichts zu suchen. Aber die Empörung ist schon ziemlich scheinheilig. Glauben die wirklich, das dort ganz plötzlich eine tolle Demokratie entstanden wäre?

Die derzeitige Entwicklung war lange vorher zu sehen, da hats aber keinen geschert. Jetzt wird rumempört. Aber etwas gegen den Wahnsinn unternehmen, das wird trotzdem nicht passieren.

Urteil: Dolzers "Domain-Engel" darf nicht zuschlagen

Alles nur soziales Engagement, ganz klar. Deshalb registriert man auch Domains von anderen, die freiwerden, und packt Sexbildchen drauf. Und deshalb hat man ein soziales Tool, das wie ein Trojaner arbeitet und fremde Rechnerressourcen benutzt. Klar, super sozial das ganze. Zum Glück hat das jetzt mal ein Gericht abgewatscht.

Open Source Web Design - ein Haufen Webdesigns zum runterladen und benutzen. Ideal für Design-Loser wie mich

Abmahnwahn gibts überall

Nur weils gerade passt, auch Neil Gaiman wird abgemahnt - für einen Link von einer Website auf eine andere Website. Was an sich schon Schwachsinn ist - schliesslich besteht das ganze Web aus Links (und nein, die Zielwebsite ist nichts verbotenes). Das besonders absurde: er ist garnicht derjenige, der den Link gesetzt hat. Er taucht nur in einem Bericht auf der Website mit Bild auf, das ist alles. Mit einer Tomate. Und irgendwo anders ist ein Link auf die Website zum Kult-Schrott "Angriff der Killertomaten". Und letztere Rechteinhaber sind wohl die Ursache für die Abmahnung ...

Die Qualität der Recherche im Rahmen von Abmahnungen scheint auch ausserhalb Deutschlands arg zu leiden.

Erschreckend ...

... wenn Ajax, JavaScript, Web 2.0 sogar im Newsfeed der Tagesschau Platz finden. Naja, der Schieb halt - die Neuauflage der Wolf-Gang, nur dünner und kein Duett. Und mit weniger Zerstörungswut gegenüber technischem Gerät.

Meinungsfreiheit ala Euroweb

Keine Ahnung mit welcher Dienstleistung die Euroweb Internet GmbH sonst noch ihr Geld macht, aber Publicity-Aktionen sollten das besser nicht sein, denn da greifen sie gerade heftig ins Klo mit ihrer Art mit unliebsamer Kritik umzugehen. Irgendwie verstehe ich solche Firmen und ihre Anwälte nicht. Einerseits wird ständig davon geredet, das Internet sei kein rechtsfreier Raum - aber durch die massive Vorgehensweise und die potentiell hohen Kosten machen solche Aktionen das Internet defakto genau zu diesem rechtsfreien Raum. Und aus Richtung der Politik kommen allenfalls Vorlagen zur Verschärfung der ganzen Situation, anstelle gegen offensichtliche Auswüchse wie Massenabmahnungen brauchbare Hilfsmittel bereitzustellen. Oder überhaupt zu überlegen, inwieweit das Mittel der Abmahnung gegen privat betriebene Websites überhaupt Sinn machen, oder ob man das Mittel der Abmahnung nicht wesentlich stärker fokussieren muss.

Und weil die Absurditäten noch nicht reichen ...

... verklagt Kinderstart Google - weil sie bei Google, anders als bei andren Suchmaschinen, nicht auf Platz 1 bei der Suche nach dem Begriff "Kinderstart" stehen. Ist irgendwie Dauer-Vollmond?

Die Frösche machen einen schwindelig

Erst wollten sie die Privatkopien und P2P-Software etc. verbieten, dann die Privatkopien legalisieren, dann wieder verbieten und jetzt wollen sie dann auch wieder die Verbreitung von P2P-Software verbieten:

Ihm zufolge soll mit bis zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Euro belegt werden, wer "wissentlich" und öffentlich Software verbreitet, die "offensichtlich darauf ausgerichtet ist", den unautorisierten Zugang zu geschützten Werken oder anderen Objekten zu gestatten. Selbst die Verbreitung von Hinweisen zu solchen Programme kann demnach genauso streng geahndet werden. Der klar gegen P2P-Software gerichtete Artikel soll laut dem für das Gesetz zuständigen Parlamentsberichterstatter, Christian Vanneste, aber nicht Programme betreffen, die Telekooperation, Forschung oder den Austausch nicht vergütungspflichtiger Werke ermöglichen.

Bei dem Hin und Her von denen wird einem ganz schwummerig. Und scheinbar bleibt der gesunde Menschenverstand dabei auf der Strecke ...

Münsterland-Giro als Profi-Rennen

Wow, das Münsterland kriegt sein eigenes Profirennen:

Münster hat wieder ein Profirennen. Auf einer Pressekonferenz wurde am Freitag der "Münsterland-Giro" vorgestellt, der gleich in die UCI-Kategorie 1.1 eingestuft wurde und am 3. Oktober stattfinden wird.

Sehr schön. Groningen-Münster war ja nicht so der Bringer - die Startlisten waren eher mau. Wenn jetzt aber ein Rennen in der gleichen Kategorie wie Henninger Turm oder Rund um Köln stattfindet, hat man ja doch mal die Chance ein paar der Topfahrer zu sehen.

PS3 kommt mit Linux

PS3 to ship with Linux, Sony confirms:

Sony President Ken Kutaragi confirmed that the Playstation 3 (PS3) has been delayed, at a press conference in Tokyo earlier this week. Kutaragi additionally confirmed that the gaming console will ship with an upgradable 60GB hard drive pre-installed with Linux, according to in-depth coverage at 1up.com.

Wow. Das ist schon eine erstaunliche Sache, wenn das tatsächlich so kommen wird - bei Sony weiss man ja erst was sie tun, wenn sie es getan haben. Wäre nicht der erste Plan, der stillschweigend wieder fallen gelassen wird. Aber eine Gameconsole mit einem "offiziellen" Linux wäre schon interessant.

Tolles SAP Betriebsklima

Nachdem mir so viele vorgeweint haben, das SAP ja so eine tolle Firmenphilosphie hat, die mit Betriebsräten inkompatibel ist, gibts jetzt ne klare Ansage der Firmenleitung:

SAP sähe danach die Möglichkeit, in Lateinamerika oder Osteuropa Forschungslabore zu etablieren, und den Wettbewerb zwischen den zurzeit zehn weltweit bestehenden Laboren anzuheizen. Man sei dann global genug, aber dennoch werde auf Walldorf immer noch mehr als die Hälfte der weltweiten Entwicklungskapazitäten entfallen.

Jau, Leute, redet euch ruhig weiter ein ihr bräuchtet keinen Betriebsrat. Traumtänzer ...

Was machen wenn man verklagt wird?

So wie zum Beispiel die Klagen der Guantanamo Häftlingen? Ganz einfach in der USofAbsurdity: man verbietet den Häftlingen einfach das Klagen.

Dave Winer Breakdown

Irgendwo war es ja zu erwarten, trotzdem ist die Art wie Dave Winer jetzt komplett durchgeknallt ist selbst für ihn ziemlich selten dämlich. Ich mein, mit Rogers Cadenhead hatte er jemanden, der trotz all seiner Stänkereien (speziell rund um das RSS Advisory Board) versucht hat ihn noch halbwegs gut dastehen zu lassen. Nunja, das ist jetzt vorbei. Dave Winer ist halt der Prototyp des Internet-Soziopathen. Shitty Software. Shitty Manners.

Google kauft SketchUp

Google hat SketchUp gekauft - einen Hersteller von 3D-Software. Da kommt man schon ins Grübeln, vor allem wenn man sich gerade ein bischen mit virtuellen 3D-Welten beschäftigt hat. Könnte da auf Dauer sowas wie Second Life von Google anstehen? Wenn man sich anguckt, was Multiuuser 3D virtuelle Umgebungen so brauchen: Renderfarmen, Plattenplatz, Netzbandbreite, verteilte Architektur, Auslieferung von massiv grossen Datenmengen, Benutzervrerwaltung, Chat-Architektur, Accountingsystem, Zahlungsabwicklung - alles das hat Google schon. Und das Subskriptionsmodell könnte für Google interessant sein, denn es ist ähnlich gelagert wie die Werbegeschichten.

Horizon - ein Sketchbook für das Nokia Tablet.

TUD:OS - TU Dresden Operating Systems - ein paar Unentwegte halten die Idee des Mikrokernels weiter hoch. Gut so!

Avimator - Animationsprogramm um Animationen für Second Life zu erstellen. Müsste zu Poser formatkompatibel sein, denn eigentlich benutzen die Poser. Vielleicht interessant für kleine Animationsprojekte auch ausserhalb Second Life?

Demonstranten niederreiten ...

... ist in NRW demnächst wieder in. Obwohl in 2003 erst alle Staffeln wegen der viel zu hohen Kosten abgeschafft wurden.

LambdaMOO (with LambdaMOO Map) An Introduction - Multiuser-Plattformen sind ja im Moment in. Wie wärs mit einer, die nur einen Port braucht - und dann komplett textorientiert daher kommt? Sozusagen ein Multi-User-Infocom-Adventure?

MudWalker - A MUD Client for Mac OS X - kann für LambdaMOO benutzt werden (hey, ich will heute abend im Hotel nicht nur doof rumsitzen! )

Naked Objects in Virtual Life

Blöder Titel, ich weiss. Aber genau das ist die Linden Script Language (LSL ) - die Programmiersprache, mit der Objekte in Second Life kontrolliert werden. Jedes virtuelle Objekt ist auch ein Programm-Objekt mit eigenen Methoden, die auf externe Events reagieren. Irgendwie könnte ich mir vorstellen, das Second Life für die Einführung in Eventorientierte Programmierung gut geeignet wäre, da man die Objekte direkt antatschen kann.

Spannend ist auch die Physik-Simulation in dem Spiel - denn auch darauf haben Scripte Zugriff. So bietet es direkt auch eine Experimentierfläche für virtuelle Robotik-Experimente und die Visualisierung von Simulationen (oder sogar direkt erfahrbare visuelle Simulationen - eben eine komplette virtuelle Welt).

Man stellt sich schon die Frage, warum ein Spieleentwickler solche Ideen hat, und warum viele Simulationsumgebungen für "ernsthafte" Forschung so stinklangweilig rüberkommen. Vielleicht sollten Wissenschaftler mal Kontakt mit Gamedesignern aufnehmen, um die Klassenzimmer und Labore etwas aufzupeppen? Die Beschäftigung mit solchen Themen sind doch sicherlich spielerisch wesentlich leichter zu vermitteln, vor allem weil die Schüler dann vielleicht auch mal zuhören ...

Nicht mehr ganz so geheim ...

... ist die CIA nach der Enttarnung durch die Chicago Tribune

Teufelsgrinsen

NPD-BLOG - nein, kein Blog der NPD, sondern ein Blog über die NPD-Machenschaften.

Roam - eine Google-like Suchmaschine inklusive Ads. Allerdings nicht fürs Web, sondern für das Metaverse - den Second Life Inhalt. Sagte ich schon, das dort auch Ads geschaltet werden? Für virtuelle Produkte in virtuellen Shops in einer virtuellen Welt? Bezahlbar mit virtuellem Geld?

Technische Revolution - allerdings hier in einer Zeichentrickwelt. Vom Umbruch einer Dampfroboter-Welt, als sie das Elektron entdeckt und nutzt ...

Gosling Didn’t Get The Memo - und wird dafür wunderbar abgewatscht. Kommentar- und Linksammlung zum neuesten "sind ja nur Scriptsprachen"-Kommentar von James Gosling.

Mal wieder ne Woche München

Internet nur über GPRS oder in der Firma. Und überhaupt - wieso haben die hier immer noch die Schnee-Maschine an? Soll doch Frühling werden, menno!

Was Firmenchefs heute so lernen ...

... enthält nichts zum Betriebsverfassungsgesetz

Tragende Säulen des Unternehmens seien "Gerechtigkeit, Offenheit und gesunder Menschenverstand", nicht das Betriebsverfassungsgesetz. "Bei allem Respekt vor dem Schutz der Minderheiten" verstehe er den "Gesetzgeber nicht, wenn eine neunprozentige Mehrheit den anderen die Bedingungen diktieren kann", schrieb Plattner. Rund 91 Prozent der Belegschaft in der SAP-Zentrale Walldorf hatten sich gegen einen Betriebsrat ausgesprochen.

Erstmal an Heise: das waren 91% der an der Wahl teilnehmenden Mitarbeiter. Das ist deutlich weniger als 91% der Belegschaft, auch in der Zentrale. Aber egal. Denn der wirkliche Hammer ist, das der Firmenmitgründer und derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende tatsächlich glaubt, das Betriebsverfassungsgesetz sei nicht Grundlage seines Unternehmens. Träumer. Komischerweise steht das im Gesetzbuch, Herr Plattner. Wie blöd muss man eigentlich als Firmenchef sein, um sowas selten dummes abzulassen? Naja, wird wohl die neue Maßeinheit für Firmenchefdummheit: ein Plattner = ignorieren eines kompletten Satzes von Gesetzen ...

Laut Spiegel will der Konzern nun einen eigenen Wahlvorstand für die Betriebsratswahlen vorschlagen, der höchstwahrscheinlich aus Arbeitnehmervertretern des Aufsichtsrates bestehe und nicht aus jenen Kollegen, die mit Unterstützung der IG Metall den Betriebsrat durchsetzen wollten. Das Unternehmen käme damit dem Arbeitsgericht zuvor, das einen Wahlvorstand einsetzen könnte.

Oh, und der Wahlvorstand gibt mit nichten irgendwas vor - und hat auch nix mit Schutz von Minderheiten zu tun. Der Wahlvorstand sorgt einfach nur für die ordnungsgemäße Abwicklung von Betriebsratswahlen, mehr nicht. Und ob ein von einer dermaßen dummen Firmenleitung eingesetzter Wahlvorstand dazu in der Lage ist, wage ich mal zu bezweifeln.

Vielleicht wärs jetzt an der Zeit, das die Firmenleitung einfach mal kapiert, was Betriebsratswahlen sind: die Wahl einer Mitarbeitervertretung durch alle Mitarbeiter eines Unternehmens. Egal wie wenige der Anlass für die Wahl sind, jeder Mitarbeiter (ok, ein paar Ausnahmen bei AT-Verträgen gibts) darf wählen, und fast jeder darf sich zur Wahl stellen (noch ein paar wenige Ausnahmen mehr gegenüber dem aktiven Wahlrecht - leitende Angestellte sind ausgenommen vom passiven Wahlrecht). Und ja, das bedeutet in der Regel bei Unternehmen mit entsprechender Größe, das mehrere Listen zur Wahl stehen - in der Regel eine der Gewerkschaft (bzw. korrekterweise eine Liste der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter) und oft eine Liste von Linientreuen. Wobei dem da keine Grenze gesetzt ist - wie wärs mal mit einer Liste der im Betrieb arbeitenden Frauen? Das könnte sicherlich auch für eine SAP interessant sein. Oder eine Liste der jungen Mitarbeiter. Oder einfach nur eine Liste derer, die keinen Bock auf Betriebsrat haben, selbst das wäre völlig legal.

Aber um das zu begreifen müssten die Leute bei SAP ja sich mal die Mühe machen und das Betriebsverfassungsgesetz zu lesen. Kann man von solchen Dummbatzen aber wohl nicht erwarten, statt dessen entblöden sie sich lieber öffentlich ...

Official Google Blog: Writely so

Official Google Blog: Writely so - Writely ist jetzt auch von Google gekauft. Aktuelles Geschäftsmodell 2.0: bescheuerte Ajax-Anwendungen bauen und von Google oder Yahoo kaufen lassen.

Apple beantragt Patente auf Feed-Viewer und Browser - der nächste Sturm in den Klowänden. Winerianer werden sich zusammenrotten und Apple bashen. Und alle anderen kratzen sich am Kopf, was der ganze Unfug mit den Patenten eigentlich soll ...