Ich spiele im Moment auch mal ein bischen mit drupal herum. Erster Eindruck: wow! Extrem leistungsfähig, extrem viele Features. Allerdings unter Umständen viel zu viele Features. Was mir aber auf Anhieb gefällt ist die sehr aufgeräumte Oberfläche mit recht logischer Menüstruktur, und das alle Erweiterungen sich automatisch in diese Menüs einklinken. Auch gefällt mir die Lösung mit den Templates und Themes: Themes können in Templates oder Stylesheets aufgegliedert werden. Dadurch kann man das generelle System umstellen, aber auch nur Varianten eines Systems wählen. Das Default-Theme ist tabellenbasiert, aber es gibt ein weiteres CSS basiertes zur Auswahl. Wie es mit der XHTML-Kompatibilität aussieht kann ich im Moment noch nicht so sagen. Gut auch die Unterstützung von MySQL und PostgreSQL - ich ziehe normalerweise letzteres vor. Weblogs kann man damit auch machen, genauso wie statische Artikel, ganze Bücher, Stories mit Diskussionsforen ähnlich wie Slashdot oder Kuro5hin und vieles mehr. Allerdings fällt auf Anhieb auf, das die Werkzeuge in den einzelnen Contentbereichen etwas mager sind - Werkzeuge die explizit auf Weblogs abzielen wirken oft vollständiger. Speziell Sachen wie Trackback, Pingback, Update-Pings oder ähnliches müssen nachinstalliert oder zumindestens nachkonfiguriert werden - der Standard pingt nur drupal.org selber für den verteilten Anmeldemechanismus. Auch so elementare Sachen wie einfache Kategorien (komplexere Kategorien - sogar hierarchisch - gibt es durchaus, aber an anderer Stelle) für Blogeinträge sucht man erstmal eine Weile. RSS Feeds werden zwar automatisch erstellt, die müssen aber auf manchen Seiten (zum Beispiel der Homepage) erst verlinkt werden (in User-Blogs ist aber der Link automatisch da). Ansonsten sind sie nur als alternate Link enthalten, aber nicht unbedingt für User sichtbar. Überhaupt zielt das ganze System eindeutig darauf ab, ganze Websites mit ganzen Gruppen von Benutzern zu gestalten und aufzubauen.Der verteilte Anmeldemechanismus ist aber oberkühl: die Benutzer von teilnehmenden Systemen können sich bei anderen teilnehmenden Systemen mit user@host anmelden und die Anmeldung wird automatisch an das Heimatsystem weitergegeben. Anmeldung mit immer dem gleichen Passwort, aber mit verteilter Authorisierung. Sehr nett! Überhaupt wird auf die Benutzerverwaltung viel Wert gelegt - die hat fast schon Zope-Ausmaße mit ihren Rechtegruppen und der Möglichkeit für einzelne Aktivitäten symbolische Rechtegruppen anzulegen. Weniger kühl sind die vielen fehlenden Metadaten. Eigentlich gibt es kaum Metadaten an Content. Autor, Datum, Status - aber das wars mehr oder weniger auch schon (natürlich neben Titel und Text, die sind selbstverständlich da). Auch die Content-Organisation bleibt dem Benutzer selber überlassen - da gibt es allerdings Hilfswerkzeuge, die zum Beispiel die Navigation leichter erstellbar machen. Allerdings lassen sich wohl viele Metadatenthemen (wie zum Beispiel die Kategorien) mittels Taxonomien lösen - das sind Gruppierungen von Content. Hier ist die Beschreibung etwas unintuitiv, das Thema ist recht komplex. Den Taxonomien sind Gruppierungen von Stichwörtern zu einem Thema. Ich ordne also nicht Beiträge zu Kategorien zu, sondern ich ordne Stichwörter zu Beiträgen zu und ordne die Stichwörter dann in Kategorien. Das liefert zwar Berge von Metadaten, ist aber weitaus komplexer als die normalen Blog-Kategorien die man so gewohnt ist.

Klasse wiederum sind aber die ganzen Content-Status und Content-Versioning Funktionalitäten. Alle Änderungen werden gelogged. Alle Änderungen an Content sind versioniert. Man kann auf älteren Content zurück und damit zum Beispiel Fehler beheben (oder Mist von amoklaufenden Benutzern beseitigen).

Das ganze System ist erweiterbar, aber ich vermute (geprüft habe ich es noch nicht, aber bei der Funktionsvielfalt liegt die Vermutung nahe) das die Erstellung von Plugins und Filtern doch aufwändiger ist als bei kleinen Lösungen wie WordPress. Das liegt aber in der Natur der Sache.

Ein weiterer potentieller Nachteil ist die Nicht-Verfügbarkeit einer fertigen deutschen Übersetzung. Auch finden sich zwar weitere Sites die mit drupal auf Deutsch arbeiten, aber scheinbar gibt keiner die kompletten Übersetzungstabellen frei zum Download - zumindestens habe ich da nichts gefunden, weder bei drupal.org selber noch bei google.

Wo würde ich drupal am ehesten einordnen? Ganz klar in die Kategorie CMS - also da wo Typo3, Mambo Open Source, Plone und ähnliche Systeme sich austoben. Diskussionsorientierte CMSe wie Scoop oder Squishdot schlägt es allerdings um Längen - genauso wie einfache Blog-CMSe. Für ein einfaches Blogsystem ist es eindeutig overkill. Für eine komplette Site wirkt es sehr brauchbar.

Hier gibts den Originalartikel.