medien - 18.3.2005 - 17.9.2005

Microsoft-Schleichwerbung beim NDR

Über die Schleichwerbung (naja, von Schleichen kann eigentlich nicht mehr die Rede sein) für Microsoft bei der Wahlberichterstattung wurde ja schon öfter geschrieben. Aber krass ist schon die Begründung des NDR, warum Microsoft genannt werden müsse:

Laut einer Mitteilung des Linux-Verbandes habe der NDR vor Gericht argumentiert, dass Infratest Dimap für die Hochrechnungen urherberrechtlich geschützte Datenbanken und Grafiken der Firma Microsoft verwende.

Tja, dann sollten sie einfach mal auf freie Software umsteigen, denn was an urheberrechtlich geschützten Datenbanken oder Grafiken bei der Wahlberichterstattung dabei sein soll ist mir echt schleierhaft - schliesslich werden da nur banale Tortendiagramme und Balkendiagramme gezeigt. Und ich will ja mal nicht hoffen das die Wahl selber von Microsoft gesponsort ist - und die deshalb da irgendwelche Nennungsrechte haben. Das ganze ist mal wieder absolut bananig, was sich der öffentliche Rundfunk da erlaubt.

Yep, passt.

And onwards:

Nur dann merkte ich: es ist mir vollständig egal. Mir ist es - schon länger - komplett wurscht, was Patalong oder die anderen Pfeifen da schreiben: ich weiss, wie der Hase bei denen läuft, ich habe erlebt, wie sie klauen, beeinflussen und tricksen, ich habe mit angehört, daß sie keine Eier haben, ich habe es lange genug verfolgt und ein Jahr lang aufgeschrieben. Es spielt keine Rolle mehr. SpOn spielt keine Rolle mehr, jedenfalls bei mir.

SPOn ist schon lange aus dem Feedreader raus bei mir, taucht nur noch indirekt über andere Blogs und manchmal über Google-News-Suchen auf. Aktuelle Informationen über das Tagesgeschehen liefern Tagesschau und Netzzeitung. Und all die vielen Blogs, die ich lese und die mir die nötigen Pointer geben, wo ich noch lesen sollte ...

Qualitätsjournallie

Im WDR wars vor kurzem noch korrekt im Morgenmagazin, aber die Tagesschau ist sich nicht zu blöd den dummen Witz nochmal auszuwalzen:

Den Straßburger Abgeordneten sei es gedankt, wir sind noch einmal davongekommen, an diesem sonnenverwöhnten Septembertag: Die EU-Richtlinie "zum Schutz vor optischer Strahlung am Arbeitsplatz" ist gekippt und bleibt somit für hoffentlich immer im Dunkel der Archivschränke verschwunden.

Liebe Journaillie: bei der Verordnung ging es primär um künstliche optische Belastung, nicht um die Sonne. Es ging keinesfalls darum irgendwen zu verhüllen der Bierseidel schleppt - es ging darum, das Arbeitgeber verpflichtet würden, Mitarbeiter auf Belastung durch UV-Strahlen aktiv hinzuweisen und darüber zu informieren. Der Hinweis hier: >Nackte Oberkörper auf der Baustelle, tiefe Dekolletés im Biergarten, Bademeister ohne Vermummung.

ist also kompletter Mumpitz.

Man mag sich fragen ob so eine Verordnung Sinn macht - aber dieses dumme Rumgereite auf etwas das nicht Ziel der Verordnung war ist eigentlich nur peinlich und lächerlich. Peinlicher und lächerlicher als jede EU-Verordnung jemals sein könnte ...

auf dem Weg in die Medien-Monokultur

Denn Springer übernimmt ProSiebenSat.1 - und dürfte damit ihre neoliberale Meinungskampagne demnächst multimedial starten und ihren Müll dann auf allen Kanälen senden. Eine Demokratie benötigt eine unabhängige, starke Presse - aber eine, die nicht eine eigene politische Agenda verfolgt. Von daher können wir wohl einem weiteren Stückchen Demokratie gute Nacht sagen, wenn ein Konzern wie Springer demnächst die Medienkluft überbrückt.

Zum Abschuss freigegeben

In der Zeit : Zum Abschuss freigegeben, ein Dossier über die Opfer der Aufmerksamsgeilheit ala Raab und Bild ...

Das grosse Problem das ich dabei sehe sind nicht mal nur die Bildzeitung und Raab und ähnlicher Medienmüll - das grosse Problem ist die Akzeptanz mit der dieser Mist konsumiert wird. Nach Monaten weiss man nicht mehr wo man etwas gelesen oder gehört hat - und trägt so als Vektor zur Verbreitung des Schwachsinns mit bei.

Wenn ich mir dann vorstelle das der Springerverlag sich die Pro7/Sat.1-Gruppe unter den Nagel reissen will und damit dann wohl dem nächst Bildzeitung und Raab gemeinsam an einem Strick ziehen, wird mir übel ...

Eine demokratische Gesellschaft lebt unter anderem von der Meinungsvielfalt die sich auch in Medienvielfalt niederschlagen muss. Wird die Medienlandschaft aber medienübergreifend von einem Konzern mit klarer politischer Agenda (wer das bezweifelt kann sich ja mal die Berichterstattung der Bildzeitung zur Zeit der letzten Bürgerschaftswahl in Hamburg angucken - bitte Speibeutel bereithalten sonst triffts die Tastatur) dominiert wird, geht ein wichtiger Faktor Demokratie verloren.

Und so bildet sich ein übler Schulterschluss aus Wirtschaftsverbänden und einer Medienkultur bei der man das Wort Kultur nicht mehr in den Mund nehmen mag - und ufert in Hetze gegen Kranke, Arbeitslose, Ausländer und linke Politiker aus, die schon arg an Zeiten erinnert die man eigentlich als vorbei wähnte ...

Und die Abzocke geht weiter

Das Internet wird gebührenpflichtig! - weil ja ein PC das gleiche wie ein Fernseher oder Radio ist. Warscheinlich nur in den kaputten Hirnen der Politiker, aber die bestimmen ja leider wo es lang geht. Und so kann die GEZ sich im nächsten Gebiet frei bedienen und ihre Gestapomethoden umsetzen.

Onlinemagazine und journalistische Ehrlichkeit

News - Bombenstimmung im WWW - da regt sich jemand drüber auf, das Otto Orwell nicht schon gleich das ganze Internet zensiert, weil ja so viele Bombenbauanleitungen im Netz stünden. Wenn man dann den Artikel genauer liest, findet man so eine Perle:

Sein Unternehmen, ein Hamburger Internet-Filter-Anbieter, hat bei der regelmäßigen Aktualisierung ihrer Sperrsysteme einen erschreckenden Rekord festgestellt.

Ok, also hat hier ein Online-Magazin nichts weiter gemacht als einem Filterunternehmen kostenlose Werbung zu schalten und das als journalistischen Beitrag zu verkleiden. Und dann als Quelle einfach nur den Link auf den Filterhersteller - klar, Filterhersteller sind ja immer sowas von neutral in der Beurteilung des Netzes ...

Da laut Impressum das Onlinemagazin eine Chefredaktion hat, meinen die wohl das sie unter die Schublade "professionelle Journalisten" fallen. Nunja, da nehme ich mir doch zehnmal lieber einen Stapel schlechter Blogs als Lektüre als so einen Schleichwerberhaufen ...

Kasia hat mal ein wenig (15 Minuten Google) über den in der US-Presse häufiger zum Fall Shiavo zitierten, angeblichen Nobellpreisanwärter Dr. William Hammesfahr recherchiert und stellt fest: Journalism is a joke. Denn der gute Dr. scheint zwar viel zu behaupten, aber nix vorzuweisen zu haben. Vor allem keine Nobellpreisnominierung - nur einen Brief eines Kongressmitglieds der den Dr. beim Nobellpreiskommitee für den Friedensnobellpreis in Medizin vorgeschlagen hat. Qualitätsjournalismus allererster Güte.

ARD-Anstalten contra jW

junge welt vom 18.03.2005 - ARD-Anstalten contra jW - wofür die ARD Rundfunkanstalten unsere GEZ-Gebühren so ausgeben. Hmm. Wenn öffentlich-rechtliche Anstalten gegen freie Presse vorgehen, bedroht das dann die kulturelle Vielfalt und ist das dann ein durchaus hinreichender Grund für einen Boykott-Aufruf gegen die GEZ?